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4. November 2020

Sir Sean Connery ist tot. RIP.

Auch wenn die Welt sich gerade um die Wahl in den USA dreht, möchte ich gern noch ein paar Gedanken zu dem am 31.10.2020 verstorbenen Sean Connery verlieren. Das ist auch kein Nachruf, davon gab es schon genug gute bei Spiegel Online, der Süddeutschen, der Zeit usw. Sean Connery hat mich ein Großteil meines Lebens begleitet und war auch für mich, wie für viele andere auch, eigentlich unsterblich. Und nun ist das Undenkbare doch passiert. Ich hoffe, dass das in den USA nicht auch noch passiert.

Moon… what?

Der erste James Bond, den ich jemals sah, ist Moonraker – streng geheim mit Roger Moore. Ich wusste weder wer James Bond war, noch konnte ich etwas mit 007 anfangen. Auch Roger Moore war mir fremd, passte aber meines Erachtens gut in die Rolle, des, rückblickend betrachtet, recht “albernen” Films.

Ich war so ca. 10 Jahre alt, und es war kurz vor der Wende, als wir meinen Onkel im Harz besuchten. Zur Prime Time lief besagter Film auf ARD oder ZDF – das hatten wir zu hause nur wenn die Wetterlage stimmte – und mein Onkel freute sich darauf. Ich wusste nicht, wieso und weshalb, fragte aber brav meine Eltern, ob ich denn den Film mitschauen dürften, denn es waren ja ohnehin Ferien. Ich bekam das Okay und konnte für 2 Stunden nicht vom Fernsehen weg schauen. Diese ganze Welt der Geheimagenten, Qs Gadgets und des nonchalanten Helden zog mich fest in ihren Bann.

Der zweite James Bond, den ich sah, war Goldfinger. Der James Bond sah jedoch ganz anders aus als Roger Moore. Wie kann es für eine Hauptrolle einen anderen Schauspieler geben? Das ging mir damals nicht in den Kopf. Dabei war doch eigentlich Roger Moore der andere. Außer für George Lazenby, da war natürlich Sean Connery “der andere”.

Sean Connery war ein ganz anderer Bond als Roger Moore. Überhaupt hatte und hatte jeder Darsteller seine eigenen Mittel und Methoden, den Agenten auf die Leinwand zu bringen. Im Vergleich zu Moonraker war Goldfinger viel ernster und hatte eine ganz andere Dynamik. Gert Fröbe kannte ich zumindest aus seiner Rolle als Vampirjäger Geiermeier in “Der kleine Vampir”. Am Ende des Filmes hatte ich jedoch Sean Connery als Bond akzeptiert und befasste mich etwas intensiver mit James Bond. Timothy Dalton habe ich beispielsweise überhaupt nie als James Bond wahrgenommen. Aber auch das änderte sich. Und je tiefer ich in die Filme eintauchte, umso mehr wusste ich Connerys Verkörperung zu schätzen und zu lieben.

Zwei Connerys

Für mich gab es auch überhaupt nur zwei Sean Connerys: jung mit dunklen Haaren und älter mit grauem Bart, wahlweise mit und ohne Haare. Sean Connery schien auch keinem natürlichen Alterungsprozess ausgesetzt zu sein. Der Wechsel vom jungen zum älteren Connery war für mich zwischen “Sag niemas nie” und “Der Name der Rose” und schien auf Knopfdruck geschehen zu sein. Zumindest wirkte es so, wobei der ältere Connery keineswegs schlechter war als der junge.

Sean Connery schaffte es, viele Rollen, egal ob Haupt- oder Nebenrolle, ikonisch auszugestalten. Erst in den späteren Rollen erkannte ich, dass das schelmische Lächeln und das Spiel mit der Mimik keine Eigenheit von James Bond, Dr. Henry Jones oder William von Baskerville war, sondern von Sean Connery selbst. Und ich glaube, dass ihn genau dieses bübische Lächeln jung hielt und deswegen unsterblich schien.

Nach 90 Jahren, ein sehr dankbares Alter, ist Schluss für Sean. Bleibt nur zu sagen: Mach’s gut und vielen Dank für deine Arbeit!

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